Wie versprochen, standen meine Cousins am Flughafen und nahmen mich in Empfang um dann erstmal mit mir an die Bar zu gehen, für einen Cornetto mit Crema und Wasser. Wir erzählten uns grob die wichtigsten Neuigkeiten, lachten und schmunzelten und dann erzählten Sie mir leider auch, daß es innerhalb der Family noch mehr Streitigkeiten gab und vorallem unsere Oma, die schon fünfundneunzig jahre alt war, sehr darunter litt. Super, dachte ich nur, daß fängt ja schon super an.
Bei meiner Mutter angekommen, wurden erstmal alle Streitthemen außer Acht gelassen, bis ich meine Oma besuchte, die nur ganze fünfzig Meter weiter wohnte. Ich wußte noch nicht, daß meine Mutter nun auch mit Ihrer Mutter zerstritten war, doch das erfuhr ich dann prompt, als ich zurück kam. Der Fairness halber, hörte ich mir erstmal alles aus Sicht meiner Mutter und meiner Oma an. Ich dachte nur, was für ein Kindergarten, und ich entschloss mich dazu heimlich zu meiner Tante runterzulaufen um mir auch Ihre Version anzuhören. Was soll ich sagen, daß Thema an sich war bei allen Parteien gleich, jedoch hatten alle drei unterschiedliche Auffassungen.
Genervt lief ich von unten durch den Corso um mir erstmal einen leckeren Cannolo zu gönnen, bis ich kurz darauf von meinem Cousin abgefangen wurde, der mich dann in meine heutige Lieblingsbar entführte. Ich bestellte Wasser und da ging es dann auch schon los, der Barrista sah mich an und lachte, mein Cousin schmunzelte und beide sagten sie mir wie aus einer Pistole geschossen, was ich denn mit dem Wasser wollte, mir etwa die Füße waschen ? Haha, guter Spruch ! Ich entgegnete nur es wäre noch nicht mal Mittag, aber darauf brachen Sie dann in völliges Gelächter aus und es kam sowas wie typisch deutsch, bevor Sie einfach weiterlachten.
Nachdem es dann ein paar Tage so weiter ging und das auch mit anderen Leuten, hatte ich zum erstenmal das Gefühl, ok, ich muß mal lockerer werden, schließlich hab ich ja Urlaub und fing mit Prosecco an. So kam es dann, daß ich mittags schon angetrunken nach Hause kam, was aber nach dem deftigen Essen auch schnell verflog.
Beim nächsten heimlichen Besuch bei meiner Tante lernte ich dann den Sohn der Nachbarin kennen. Ein paar Jahre jünger als ich, und auch er lebte eigentlich im Ausland, in Paris, wo er als Koch arbeitete und auch er war grad im Urlaub da. Wir kamen ins Gespräch und so erzählte er mir, daß er sogar schon in Frankfurt gearbeitet habe, diese Trattoria kenne ich zufällig vom vielen vorbeilaufen. Wir sind uns auf Anhieb sympatisch und so beschließen wir uns häufiger zu verabreden.
Am gleichen Abend treffen wir uns dann auch schon, und nachdem klar war, daß ich außer unserem Dorf nichts in der näheren Umgebung kannte, noch nicht mal Matera, hatten die Jungs schon den Plan gefaßt mit mir ein wenig die Umgebung zu erkunden.
Im Juli und August finden ja natürlich viele Feste statt, und jedes Dorf hat so seine eigenen Schutzpatronen und Heiligen, also wurde mittags kurz beschlossen, wo es abends hinging und so lernte ich nicht nur neue Dörfer kennen, sondern auch einiges viel lockerer zu sehen. Die Jungs hier sind schon fast von Natur aus trinkfest, daß sie aber dennoch mit einiges an Alkohol im Blut sich noch ans Steuer setzen und dann noch die Serpentinen hin- und herfahren hat mich am Anfang ganz schön Überwindung gekostet überhaupt einzusteigen. Aber ja, ich hatte mich relativ schnell daran gewöhnt und sogar Vertrauen gefaßt, das hätte ich in Deutschland niemals zugelassen.
Da war ich dafür bekannt, daß ich auf Parties einigen Leuten beim Eintreffen schon die Autoschlüssel abnahm, damit Sie ja nicht betrunken Auto fuhren.
Nun gut, ich wurde lockerer und zunehmend auch mutiger, so daß sogar ich dann mal gut angetrunken am Steuer saß, wer hätte das mal für möglich gehalten, aber in dieser speziellen Situation war ich dann doch die nüchternste von allen und nach außen die vertrauenswürdigste, falls uns die Carabinieri begegnen würden.
Meiner Mutter gefiel das ganze natürlich überhaupt nicht. Die Nachbarn tratschten und überhaupt, warum ich denn immer so spät nach Hause kommen würde, und jedesmal würden mich unterschiedliche Jungs nach Hause fahren. Es war ein Dilemma.
Eines morgens kam ich gegen sieben morgens heim und meine Mutter schlief tatsächlich mal, wachte Sie doch sonst immer sofort auf, sobald ich zur Tür reinkam. Ich dachte mir, ok, heut stehst Du einfach mal früh auf und tust so, als ob du schon ewig zu Hause wärst. Ich stellte mir den Wecker auf neun Uhr und dachte, ok, eine Tiefschlafphase muss reichen.
Mein Wecker klingelte, ich stand auf, dackelte in die Küche und setze mich an den Tisch. Meine Mutter sah mich entgeistert an und bevor ich auch überhaupt irgendetwas sagen konnte, schleuderte Sie mir entgegen, daß Ihr schon längst erzählt wurde, daß ich seit kurzem erst zu Hause war und ich mich wieder schlafen legen könnte. Dann sagte Sie mir sogar noch wer mich zu Hause abgeladen hatte und ich dachte nur, sagste mal nichts, stand auf und ging wieder ins Bett.
Diese teuflischen Nachbarn !!!
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