nachdem ich dann von diesem Drama erfahren hatte, daß nicht nur er sondern auch meine Freunde mich betrogen hatten, zog ich es vor mich von dieser Clique zu distanzieren und mir neue Wegbegleiter zu suchen, die ich dann beim Public Viewing relativ schnell kennenlernte. Eine Freundin blieb mir aus dieser Clique erhalten, Sie war auch nie so oft mit uns zusammen und wußte auch nichts von diesem Drama. Mit Ihr und den neuen Bekannten, worunter auch Italiener waren, verabredete ich mich oft um dann gemeinsam Fußball zu schauen. Die große schwimmende Leinwand mitten auf dem Main, war schon sehr beeindruckend. Man konnte von beiden Uferseiten auf die Leinwand schauen und zusätzlich gabs auch auf beiden Seiten Tribünen, die aber nur unter wirklich frühem Erscheinen zu genießen waren. Bei Deutschlandspielen eigentlich unmöglich überhaupt sogar ans Ufer zu kommen, so daß wir dann auch schnell nach Alternativen schauten. Eine Pizzeria war natürlich immer eine sehr gute Wahl. Auch sonst hatte sich die Stadt Frankfurt nicht lumpen lassen und einiges an Events um das Event an sich herum organisiert.Zu dem Halbfinalespiel Deutschland gegen Italien entschieden wir uns zu einer großen Leinwand etwas abseits vom Mainufer zu gehen, denn zwischenzeilich wurden immer mehr Leinwände aufgebaut, da sowohl viele Touristen als auch einheimische aus ganz Deutschland angereist kamen. Das Sommermärchen war in aller Munde.
Ich war total aufgeregt, ist doch ein Spiel zwischen diesen beiden Ländern immer auch ein Endspiel. Es fielen die üblichen Beleidigungen aus allen Reihen, daß die Italiener nur foulen und auf dem Boden liegen, aber das kenne ich ja schon seit 1982. Wir lassen uns nicht provozieren und schauen uns das Spiel an. Die erste und auch die zweite Halbzeit ging torlos vorbei und nun ging es in die Verlängerung. Das hasse ich auch heute noch und so wurde ich immer nervöser. Ich erinnere mich noch, daß kurz nach Wiederanpfiff es fast schon zwei zu null für Italien gestanden hätte, aber eben nur fast. Die zweiten fünfzehn Minuten waren etwas träger und kaum auszuhalten. Ich betete, bitte nur kein Elfmeterschießen und da knallte Grosso den Ball kurz vor Schluß ins Tor. Riesenjubel auf Seite der Italiener, obwohl wir klar eine Minderheit waren, wurde es ganz schön laut und so bekamen wir gar nicht erst mit, daß die Leinwand ausgefallen war. Wir wußten also gar nicht, ob wir jetzt gewonnen hatten oder nicht. Smartphones gabs da noch nicht. Na ja, wir beschließen woanders hinzugehen und uns fällt auf, daß auf einmal ganz schön viel Polizei anwesend war. Für mich ein klares Zeichen, daß Italien gewonnen hatte, daß mir auch kurz später mit einer Gratulation SMS bestätigt wurde und zwar von keinem geringeren als meinem Ex. Das ging natürlich runter wie Öl. Erst einige Zeit später bekamen wir dann in der Wiederholung das zweite Tor von Pirlo zu sehen und meine Freude war unendlich groß. Viele andere Ausländer bedankten sich bei uns, daß wir es den Deutschen so schön gezeigt hätten, ja, das kann man bestätigen, beim Fußball halten die Ausländer dann doch zusammen. Schade nur, daß wir dann keine großen Möglichkeiten hatten noch ordentlich zu feiern, denn die Deutschen waren ja traurig und gingen schnell nach Hause. Seitdem wünschte ich mir so ein Turnier zu Hause in Italien zu sehen.
Kurz darauf beschloss ich dann meinen restlichen Sommer in Italien zu verbringen, ich hatte durch den Job im Cafè noch so viele Überstunden, daß ich fast ganze sechs Wochen weg konnte. Eine super Gelegenheit also, auch Freunde zu besuchen und ein wenig hier und dort Zeit zu verbringen.
Ich telefonierte ein wenig rum um zu horchen, wer sich denn wo in Italien aufhielt und so wußte ich schon so ungefähr, daß Mola di Bari, Policoro und natürlich auch Laurenzana zu meinen Ferienorten werden würden.
Fast ganze sechs Wochen Urlaub am Stück, das hatte ich zuletzt mit sechzehn Jahren, als wir noch mit meinen Eltern in den Urlaub fuhren. Wahnsinn !!
Seitdem hegte ich auch schon den Wunsch wieder nach Italien zu ziehen, auch wenn ich noch nicht genau wußte wohin.
Eine Stadt am Meer war klar, aber ich kannte ja noch zu wenige, obwohl schon damals mich Neapel faszinierte, diese ach so gefährliche Stadt im tiefen Süden......
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