Donnerstag, 13. Oktober 2016

Neugierde

 im Zug schaffe ich es tatsächlich mein Buch zu Ende zu lesen, habe ich doch mal wieder kein Empfang. Erst kurz vor Neapel höre ich mein Handy wieder und mit einem Blick sehe ich, daß die Mädels aber auch mein Busenfreund ganz neugierig darauf sind zu hören, wie es denn gelaufen ist. Ich verspreche heut abend bei einer Pizza alles zu erzählen.
Tomb Raider kümmert sich um die Reservierung in der Pizzeria bei mir um die Ecke, Sie selbst will mich aber gern früher schon sehen, hat Sie mir doch einiges zu erzählen. Ich sage Ihr zu, auch wenn ich schon ahne, daß es leider alles andere als lustig wird.
Im Zug passiert heut nichts weiter, weder Personal noch Gäste in näherer Umgebung sind heute gesprächig.
Am Bahnhof angekommen schicke ich meinem Herrn ein Foto und ja, irgendwie vermisse ich Ihn auch. Ich selbst kann das gar nicht wirklich glauben, was ich dieses Wochenende erlebt habe. Kennt Ihr das Gefühl, daß wenn etwas gut läuft, man den Haken sucht ? 
Ich versuche es nicht an mich ranzulassen und schreibe Ihm er soll anrufen, sobald er kann.
Zu Hause angekommen, werfe ich mich sofort in meinen Bikini und laufe durch mein Viertel zum Meer auf meine Steine.
Heute ist es für diese Zeit noch ganz schön voll und so muß ich mir einen komplett neuen Stein auswählen, ich entscheide mich spontan für die andere Seite, wo ich noch nie gelegen habe und lege mich mit meinem Hut ab in der Hoffnung ein wenig schlafen zu können.
Mit dem Rauschen des Meeres und dem leichten Wind gelingt es mir sogar einzuschlafen.
Eine gefühlte Ewigkeit später wache ich auf, als ich den Fotografen hinter mir brüllen höre, daß Sie sich küssen sollen. Gemeint ist das Paar, daß anscheinend heute geheiratet hat und wie viele andere Paare hierher kommen um diesen Tag mit tausenden Posen und Fotos festzuhalten. Vielleicht sollte ich doch noch Fotografin werden, denn das ist hier ein krisensicherer Job.
Geheiratet wird immernoch und was sich die Italiener vorallem diese Leistung kosten lassen ist unglaublich. Sogar eine Drohne fliegt hier über uns um wahrscheinlich einen Videoclip zu drehen. 
Ich schaue auf die Uhr und stelle fest, daß es später ist als gedacht und informiere kurz Tomb Raider, daß ich mich verspäte und frage ob Sie zu mir nach Hause kommen will, dann können wir die Zeit unter der Dusche zum quatschen nutzen.
Ich ziehe mich an und laufe meine Treppen hoch.
Tomb Raider steht schon vor der Tür und sieht ganz schön fertig aus. 
Der Grund ist ein Mann, natürlich, und durch Ihn lernten wir uns zu seinem Leidwesen kennen.
Er ist ein sehr hübscher Typ, ein Frauenheld eben, aber letztes Jahr als ich nach Neapel gezogen bin, kam er mir grad Recht um mein Ego aufzupolieren. Ich lernte Ihn durch eine Bekannte, mir der ich dort war, in meiner heutigen Lieblingsbar kennen, und nahm Ihn nach dieser lustigen Nacht mit zu mir in mein Hotelzimmer. Ich war erst ein paar Tage da und noch auf Wohnungssuche. Weder meine Bekannte noch er hatten mir gesagt, daß beide auch schon was miteinander hatten und so dachte ich mir weiter nichts dabei. Das Neapels Stadtkern wie ein Dorf ist und sich letzendlich alle kennen, wußte ich da noch nicht. Für mich war klar, daß es bei dieser Nacht bleiben würde und wenn wir uns über den Weg liefen, begrüßten wir uns und das wars dann auch. 
Wochen später war er dann mit Tomb Raider da und er war sichtlich nervös. Wir Mädels waren uns sofort sympathisch und tauschten Kontakte aus, denn Sie war temporär hier und kannte ja auch noch keinen außer Ihm. 
Wenige Tage später trafen wir Mädels uns und so erfuhr ich dann von Ihr, daß er Ihr Exfreund ist und Sie erzählte mir wie es zwischen den beiden gelaufen war. Ich erzählte Ihr daraufhin von unserer Nacht, weil ich auf jedenfall vermeiden wollte, daß Sie denken könnte ich hätte noch Interesse an Ihm. Meine Ehrlichkeit war wohl ausschlaggebend für Sie mich näher kennenlernen zu wollen, ist es hier doch gewöhnlich nicht üblich über so etwas zu sprechen um die Gerüchteküche nicht zusätzlich anzuheizen. Frauen betrachten sich als Rivalinnen und nicht als Freundinnen, denen man vertraut. Mit ein Grund warum man dann viele wenn überhaupt auch nur ohne Ihre Männer trifft, man will jede Gelegenheit an denen Ihre Männer andere Frauen kennenlernen könnten vermeiden.
Irgendwie muß ich schmunzeln, denn mein Ex ist heute auch mit einer Exfreundin von mir zusammen. Tja.

Tomb Raider und ich sind trotzallem sehr gute Freunde auch wenn Sie mir erst vor kurzem gestanden hat, daß Sie immernoch an ihm hängt, auch wenn Sie mittlerweile einige andere Affären hatte, und das wohl um über Ihn hinwegzukommen. Jedenfalls, haben sie sich getroffen und gestritten und Sie erzählt mir in allen Einzelheiten was genau gesagt wurde.
Mittlerweile stehe ich unter der Dusche und denke nur, daß ich anscheinend eine untypische Frau bin. Sie regt sich über Sachen auf, an die ich noch nicht mal denken würde und auch sonst verstehe ich dieses Drama einfach nicht. Es gibt so viele tolle Männer auf dieser Welt, warum nur
rennt man jemandem hinterher, der einen nicht will ? Ich kann diesen ganzen Scheiß nicht mehr hören und bin froh darüber, daß gleich auch die anderen da sind und wir das Thema wechseln können, denn diesen Kram erzählt Sie natürlich nur mir, will Sie doch nicht, daß alle das wissen.
Ich habe noch nie so gedacht, im Gegenteil, ich gebe ohne gr0ß darüber nachzudenken Dinge von mir preis, was Sie und meine Mutter natürlich als großen Fehler sehen.

Ich trockne mich ab und zieh mir schnell was über und überlege sogar ungeschminkt zu gehen, aber wahrscheinlich ist ja der Sohn des Pizzabäckers auch am arbeiten und da ich mit Ihm schon seit einem Jahr flirte, entscheide ich mich doch schnell anders.
Wir gehen gemeinsam runter und treffen schon auf dem Weg dorthin die anderen, die auch was später dran sind. Wir freuen alle uns zu sehen und schon geht auch die Fragerei los. Ich fange an zu erzählen, aber wie immer werde ich durch lustige Zwischenrufe immerwieder unterbrochen und wir trudeln bei meinem Pizzabäcker ein.
Er arbeitet heute tatsächlich, sieht jedoch mit den komisch gefärbten Haaren wie ein Meerschweinchen aus. Da ich ja jetzt vergeben bin, darf ich nicht mehr flirten wird mir sofort gesagt und ich hoffe nur, daß der das nicht mitbekommen hat. Bei jeder Gelegenheit, die er zu uns an den Tisch muß,versuche ich herauszubekommen, was dieser neuer Haarschnitt zu bedeuten hat, doch er schmunzelt nur und vertröstet mich auf später. Die anderen steigen mit ein und immer wenn er in unserer Nähe ist, werden die albernsten Thesen aufgestellt, warum er jetzt so aussieht.
Wir schaffen es tatsächlich die letzten zu sein heut abend und so hat er dann auch die Zeit uns von dieser absurden Wette zu erzählen, die er verloren hat. Auch er ist Fußballfan, aber leider für Inter Mailand und so muß er sich während der Saison immerwieder einigen Wetten und Spott aussetzen. Dieses Mal hat er wohl mit seinem Friseur falsch gewettet und so sieht er jetzt auch aus. Ich schmunzel vor mir hin und denke, wie gut, daß man an seinem Lächeln nichts machen kann und als ob er meinen Gedanken gehört hätte, zwinkert er mir zu und schenkt mir sein süßes breites Grinsen.
Wir zahlen und gehen über Piazza Plebiscito in die Via Toledo um uns noch ein leckeres Eis zu holen, da klingelt auch schon mein Handy und es ist mein Herr. Wir turteln wie immer und ich entferne mich ein wenig von unserer Gruppe.
Noch während ich telefoniere, kommen nach und nach alle zu mir um sich zu verabschieden und ich ertappe mich bei dem Gedanken, daß nichts mehr so ist, wie es mal zwischen uns allen war. Irgendwas ist vorgefallen.
Tomb Raider ist die letzte mit mir und auch Sie verläßt mich heute schon. Mein Herr will auch ins Bett und so bleibe ich ganz allein zurück und entscheide spontan nochmal ans Meer runterzugehen. 

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