Donnerstag, 6. Oktober 2016

berauschendes Wochenende

 ich muß mal kurz auf Toilette und als ich an der Empfangstheke vorbeikomme, frage ich kurz den Herrn hinter der Theke, ob er sich zufällig für Fußball interessiert und ob er mir sagen könnte, wie es beim SSC Napoli grad steht, die spielen nämlich noch. Er bestätigt mir, daß sie führen, bedanke mich dafür und gehe zur Toilette weiter.
Ich freue mich, denn nach dem Debakel mit dem Weggang von Higuain hatte ich schon fast schlimmes befürchtet.
Als ich zurückkomme von der Toilette, steht auch schon mein Herr vor der Theke, er hat die Rechnung schon übernommen und freudig teilt mir der andere Herr mit, daß der SSC Napoli noch ein Tor geschossen hat, während mein Herr nur die Augen verdreht, denn er interessiert sich überhaupt nicht für Fußball. Wir quatschen noch kurz über den feigen Abgang von Higuain und freuen uns auf den sehr wahrscheinlichen Sieg der Neapolitaner, bevor mein Herr mich an die Hand nimmt um mich schnell aus dem Lokal zu ziehen. Er kennt das schon aus Laurenzana, sagt er mir, wenn ich mal ins quatschen komme, wirds schwierig mich wegzubekommen und schmunzelt mich an.
Wir fahren zurück zum Hotel und laufen von dort aus in eine Bar, wo schon die anderen auf uns warten. Die Via Pretoria ist in der Altstadt von Potenza, die Straße wo viele kleine Geschäfte aber auch viele kleine Bars sind, doch so belebt wie heute Nacht habe ich diese noch nie erlebt. Es treiben sich allemöglichen Leute in fast allen Altersschichten herum und natürlich stehen auch hier alle mehr vor den Lokalen als in den Lokalen herum und trinken.
Eigentlich hab ich schon genug getrunken, aber ich komme gar nicht dazu darüber nachzudenken, was ich trinken will, denn mir wird schon sofort ein Amaro in die Hand gedrückt. So langsam wird das zum running gag. Ich trinke diesen aus und wünsche mir als näachste Runde einen Martini Bianco, auch das ein Lieblingsdrink von mir. Wir sind schon beide ganz schön angetrunken und ich hab auch kein Zeitgefühl mehr, wohl aber bemerke ich, daß es in der Straße ruhiger wird bis wir entschließen uns zu verabschieden und zurück zu unserem Hotel zu laufen.
Das Hotel ist ja wie erwähnt ein altes Kloster und auch unsere Zimmertür ist eine alte typische Holztür mit den für damals üblichen Schlüsseln aus Metall.
Der Herr hat sichtlich Probleme diese Tür aufzubekommen und ich bekomme einen ersten Lachanfall, bis er mir einfach diesen langen Metallschlüssel in die Hand drückt und mich bittet es doch zu versuchen.
Gackernd stehe ich vor dieser Tür, doch auch ich bekomme Sie nicht auf, erst Recht nicht, weil ich vor lauter Lachen immerwieder in mich zusammensacke, bis wir beide auf dem Boden vor dieser Türe liegen und uns einfach nur totlachen. Wir fangen an zu knutschen, ohne auch nur darüber nachzudenken, wer uns sehen, geschweige denn die Leute denken könnten, bis ich dann nach einiger Zeit den Versuch nochmal aufnehme und es doch noch irgendwie schaffe diese Tür aufzubekommen.
Was dann so alles passiert ist, könnt Ihr euch ja selbst ausmalen.
Irgendwann später höre ich etwas schrillen. Ein Handy. Das von meinem Herrn.
Wir schauen uns beide ungläubig an, denn diese Nacht war mal mindestens viel zu kurz, wenn nicht sogar gar nicht vorhanden.

Wir müssen aufstehen und uns auch noch beeilen, wir sind ja mit den anderen zum Frühstück verabredet. Ich springe also auf und fühle sofort meinen dicken Kopf, aber auch das Laufen funktioniert heut morgen nicht so gut, ich wackele also im warsten Sinne des Wortes unter die Dusche und schleife den Herrn hinter mir her. Die Dusche ist nicht sehr groß und einige blaue Flecken später, beeilen wir uns aus dem Zimmer zu kommen.
Wir checken aus und fahren mit dem Auto durch die halbe Stadt um noch seine Freundin abzuholen um dann die anderen in diesem Lokal zu treffen. Ich bestelle mir erstmal einen Capuccio und ein Stück Kuchen, denn die Cornettos sind hier schon aus. Die anderen scheinen ein wenig frischer als wir auszusehen, Sie fragen auch erst gar nicht wie es war, schmunzeln aber und bevor ich mitbekommen kann, was genau passiert, wird auch schon eine Flasche Schampus serviert, zum Frühstück, na gut, mitgegangen, mitgehangen, wie man so schön sagt.
Nach dem ersten Glas kommt meine Energie fast von allein zurück und die Jungs haben schon beschlossen, daß wir gleich alle zu einem Agriturismo rausfahren um ordentlich Mittag zu essen.
Den Namen hab ich mir leider nicht gemerkt, jedoch muss man sagen, daß das wirklich eine schöne Anlage auf einem kleinen Hügel ist, die also nicht nur ein Restaurant, sondern auch einen großen Weinkeller, wenige Hotelzimmer und sogar einen Pool zu bieten haben. Um die Anlage herum sind nur grüne Wiesen und Bäume.
Ich weiß ja, daß vorallem die Süditaliener sehr gerne essen, aber was die Jungs da alles zusammenbestellt haben könnt Ihr euch nicht vorstellen. Es ist fast wie an Weihnachten. Anscheinend denken die, daß ich kein gutes Essen kenne und sie wollen, daß ich soviel wie möglich zu probieren bekomme, was natürlich sehr nett ist, doch da fängt das Problem auch schon an. Fast alles hier ist fleischlastig und um nicht der Spielverderber zu sein, probiere ich natürlich von allem. Ich glaub, ab jetzt brauche ich einen Monat kein Fleisch mehr.
Zu jedem Essensgang gibts eine andere Flasche Wein und zum Schluß auch noch einen Digestivo. Ich habe regelrecht einen Kugelbauch und weiß wirklich nicht mehr, wann ich das letzte mal so viel gegessen habe, auch wenn sich das ganze über mehrere Stunden hinzieht, will ich jetzt gern einfach nur ein paar Meter laufen, doch wir schaffen es nur bis zum Pool.
Ich setzte mich an den Rand und lasse meine Beine im Wasser baumeln und bin kurz davor mich einfach auszuziehen und reinzuspringen, besinne mich aber und lege mich auf eine Liege, wo ich doch tatsächlich ein wenig einschlafe. Ich werde geweckt, schließlich gibts noch Dolci und da kann ich wirklich einfach nie nein sagen.

Der Tag vergeht so schnell, daß es schon abends ist und ein Glück können alle auf ein Abendessen verzichten. Morgen müssen auch alle wieder arbeiten, also verabschieden wir uns und wir fahren zu ihm nach Hause.
Ihr wißt ja, ich bin in Süditalien, also wohnt der Herr nicht alleine sonden noch bei seinen Eltern. Hier aber ist das keine finanzielle Situation sondern eine bequeme. Ich beschließe nicht darüber nachzudenken, immerhin haben wir sturmfrei, weil die Eltern sich schon seit Tagen in Laurenzana aufhalten, doch trotzdem fühlt sich das seltsam an.
Ich bin mit sechzehn schon das erste mal zu Hause ausgezogen und mein Wunsch ist auch heute noch der, bloß nicht bei meinen Eltern wohnen zu müssen, mich stresst ja schon der Besuch bei meiner Mutter, wie man aber in dem Alter noch bewußt bei seinen Eltern wohnen kann, verstehe ich nicht so ganz.
Wir werfen uns auf sein Bett und quatschen über dies und das und genießen den Sonnenuntergang, denn die Aussicht aus seinem Fenster ist wirklich schön. Nach diesen intensiven vierundzwanzig Stunden, in denen wir soviel gequatscht, gelacht, gegessen und getrunken haben schlafen wir tatsächlich ohne weiteres beide ein.





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