Diese Schülerin ist die Nichte meiner Freundin und sie wohnt am anderen Ende der Stadt, so daß ich die Tram vom Hafen aus nehmen kann. Die große Baustelle von Piazza Municipio bis zum Porto, an der auch eine neue Metrostation eröffnet wurde, kommt aber nicht wirklich zum Ende, da sie bei jedem Buddeln wieder etwas neues finden, wie hier jetzt schon das fünfte Schiff der alten römischen Flotte. Ich habe mir von Fachleuten mal erzählen lassen, daß es in der ganzen Stadt noch so vieles unterirdisch zu entdecken gibt, daß man zumindest bei den Sachen, die man schon weiß, entschieden hat, sie unter der Erde zu lassen, weil kein Geld da ist um diese sachgerecht zu restaurieren.
Nun fährt die Tram nicht, auch wenn ich nicht feststellen kann warum sie nicht fährt, aber auch das normal in dieser Stadt. Man wird nichtmal informiert und so passiert das oft, daß man vergebens auf Busse und Bahnen wartet. Ich laufe zurück zur Metro, auch wenn ich dann noch eine ganze Weile laufen muß, aber für mich, der gern durch die Straßen von Neapel läuft ist das weiter kein Problem. Bewaffnet mit meinem Handy fotografiere ich ganz nebenbei alles was mir neu auffällt und informiere kurz meine Schülerin, daß ich mich verspäte.
http://www.famedisud.it/a-piazza-municipio-lantico-porto-di-napoli-spunta-una-quinta-nave-romana/
Heute ist es nochmal ganz schön heiß und sie erwartet mich schon mit einer selbst gemachten Granita um mir dann auch direkt mitzuteilen, daß wir Ihren Bruder vom Rugby abholen müssen. Ja, Ihr lest richtig, vom Rugby holen wir Ihren Bruder ab, denn hier in diesem Viertel gibt es eine amerikanische Kaserne, die nebenbei für alle zugänglich allesmögliche an Sportaktivitäten anbietet. Bei Neapel müßt Ihr wissen, sind auch einige Stützpunkte der Nato, die sich während des zweiten Weltkrieges gebildet haben um von hier aus gegen Hitler Krieg zu führen. Man sieht hier viele Soldaten, auch deutsche.
Wir laufen also kurz rüber und schon beim Betreten des Geländes fallen mir einige hübsche Männer in Uniform auf. Meine Schülerin ist im besten Teenageralter und interessiert sich auch schon für Jungs, also schauen wir ein wenig gemeinsam, wer denn ganz gut aussieht. Wir kommen auf dem Platz an als wir beide den gut aussehenden Trainer entdecken. Ganz spontan sag ich in deutsch wie super der aussieht und Sie antwortet mir in deutsch, ohne stottern und flüssig, daß ich absolut Recht habe. Ich schaue Sie erstaunt an und wir werfen dann einen weiteren Blick über das Gelände ob wir noch andere hübsche Jungs oder Männer entdecken. Wir setzen uns auf ein Mäuerchen und der Trainer kommt uns plötzlich näher und hört uns aufmerksam zu bis er uns auf gebrochenem italienisch fragt, auf wen wir warten. Man hört sofort, daß er Amerikaner ist und wir schmunzeln beide und entdecken den Vorteil der deutschen Sprache, denn deutsch können nur wenige. Wir erzählen Ihm auf wen wir warten und schmachten Ihn noch eine ganze Weile an, bis Sie seinen Ehering entdeckt, daß Sie mir natürlich auf deutsch mitteilt. Wirklich schade, nach der Telefonnummer frage ich dann mal besser nicht.
Wieder bei Ihr zu Hause angekommen, entwickeln wir eine neue Methode wie wir diese deutsche Sprache besser lernen und beschließen uns bald häufiger in der Stadt zu treffen. Sie ist wie Ihre Tante sehr an Kunst und Geschichte interessiert und so lasse ich Sie für das nächste Mal in deutscher Sprache vorbereiten, mir einiges über den Dom in dieser Stadt zu erzählen. Bald kommt eine Freundin aus Berlin, dann können wir das gut verbinden, indem Sie uns den Touristenführer mimt. denn mit Ihr kann Sie dann ja nicht anders als nur deutsch sprechen und ich springe ein, wenn nötig.
Mit diesem Schlüsselerlebnis fahre ich zufrieden nach Hause. Dort angekommen bereite ich meine Tasche für mein Wochenende in Potenza mit dem Herrn vor, denn heut abend fahren wir ja Fisch essen und da es bestimmt spät wird, erledige ich das mal vorsichtshalber schon jetzt.
Mein Telefon klingelt, und da ist er auch schon, mein Herr. Wir sind beide ganz schön aufgeregt und ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich mich zuletzt so gefühlt habe. Wir turteln eine Weile bis es auch schon an meiner Tür klingelt. Tomb Raider ist schon was früher eingetrudelt, denn gleich kommen ja auch schon die Jungs.
Der Herr macht einen auf ironisch eifersüchtig, ich verspreche Ihm, daß wir vorsichtig fahren und wir auf jedenfall heut nacht nochmal telefonieren.
Tomb Raider und ich genehmigen uns einen Amaro Lucano und warten nur noch wenige Minuten bis es wieder an der Türe klingelt. Wir fahren mit dem Aufzug runter, weil Tomb Raider nicht gern läuft und schon sehen wir die Jungs mit Helmen in den Händen bewaffnet. Endlich wieder Scooter fahren, denke ich, springen auf und es geht sofort los. Es ist ganz schön Verkehr auf den Straßen, aber mein Fahrer kann wirklich gut abschätzen ob und wie wir uns an den Autos vorbeischlängeln, auch wenn er in seiner ganzen persönlichen Art eher ein Ruhiger und Schüchterner ist, fährt er doch mutig an allen vorbei. Er scheint immer draufgängerischer zu werden und so überrascht er mich diesmal, indem er aus heiterem Himmel, mitten auf der Autobahn sein Handy zückt um von uns allen ein Selfie zu machen.
In Deutschland hätte ich jeden sofort angebrüllt, aber ich scheine so langsam diese Sitten anzunehmen und zwar so sehr, daß ich zwar kurz aufschrecke aber dann doch einfach alles geschehen lasse.
Heute abend sind tatsächlich fast alle da und wir müssen kurz auf einen größeren Tisch warten. Meine neapolitanische Schwägerin drückt mir sofort meinen Neffen in die Arme und ich genieße das sehr. Es wird kreuz und quer über den Tisch gequatscht und wir bestellen große Portionen Muscheln und Weißwein bis wir uns auf die Hauptspeisen einigen.
Irgendwie ist heute eine besonders gelöste Stimmung und gleichzeitig werde ich das Gefühl nicht los, daß zwischen meinem Busenfreund und meiner Schwägerin die Luft ganz schön knistert. Eigentlich stört es mich überhaupt nicht, da ich nicht denke, daß mein Bruder und Sie wieder zusammenkommen, jedoch ist Sie eine bekennende Christin, die jeden Sonntag in die Kirche rennt und auch sonst sofort jeden und alles verurteilt, aber na ja, wie mein Vater schon immer sagte, seien diese dann die schlimmsten.
Mir ist es wirklich egal, und außerdem bin ich mit meinen Gedanken in Potenza, denn in wenigen Stunden fährt schon mein Zug.
Wir bestellen die Rechnung und es ist unglaublich wie wenig wir für dieses üppige Essen und Trinken zahlen. Wir beschließen noch auf einen Nachtisch in eine Pasticceria zu gehen, ich hab so richtig Lust auf was Schokoladiges.
Auf dem Weg dorthin klingelt mein Handy und es ist wieder mein Herr und wir haben schon nachts um eins, die Stunden sind wirklich so verpflogen.
Seine Freundin hat Ihm auf Facebook unser Selfie von der Fahrt auf der Autobahn gezeigt und Ihm ist wohl aufgefallen, daß ich mich wohl zu eng an meinen Fahrer geklemmt habe, worauf ich sofort lachen muß. Er selbst ist nicht auf Facebook, aber bei der Gelegenheit hätte er sich mal mein Profil genauer angeschaut und festgestellt, daß ich wohl viel unterwegs bin, auch wenn ja nur wenige Posts öffentlich zu sehen sind. Stimmt, sage ich Ihm, hier gibt es viel zu entdecken und natürlich würde ich mich schon darauf freuen in Potenza einiges zu entdecken. Apropo entdecken, sagt er, seine Freunde wären alle sehr neugierig auf mich und ob es mir was ausmachen würde, wenn wir morgen auf einen Aperitivo uns erst mit Ihnen treffen könnten, natürlich nur, wenn es mir nichts ausmachen würde. Natürlich macht es mir nichts aus, ganz im Gegenteil, ich bin ja schließlich auch neugierig und so werde ich also morgen auch einen Teil seiner Freunde kennenlernen.
Ich esse noch eine warme Ciambella mit Nutella und dann fahren wir nach Hause. Ich genieße diese Fahrt, auch wenn es auf der Autobahn nun etwas frischer ist, aber gut, ich hab ja auch nur ein Kleid an, Sandaletten und den Helm auf dem Kopf. Ich erzähl euch besser mal nicht, wie warm es hier noch ist.
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