Dienstag, 8. November 2016

Bagno Sirena

 heut morgen werd ich sehr früh wach und die Sonne scheint. Ich hab super Laune und ich kontaktiere meinen Freund ob der nicht Lust hat in dieses Bagno Sirena mit mir zu fahren. Ja, denn fahren heißt, er holt mich mit dem Scooter ab und wir fahren gemeinsam an diesen privaten Strandabschnitt, wo man für Liege und Schirm zehn euro pro Tag zahlt, aber das gönnen wir uns heute mal.
Als er mich unten vor unserem Portal von der Treppe runterlaufen sieht, ruft er mir schon entgegen, daß ich dringend Sonne nötig habe, ich bin zwar immernoch sehr braun, aber irgendwie denken immer alle ich würde wohl schokoladenbraun werden, aber nein, ich werde nur so braun wie die"bastoncini di Findus", bedeutet goldbraun, wie die Fischstäbchen von Käpt´n Iglo, beteuere ich Ihm und er reicht mir schon den Helm.
Ach ist das schön, ich liebe es einfach Beifahrer auf dem Scooter zu sein. Dieses Bad ist auf Anhieb gar nicht so schnell zu finden, es liegt an der Via Posillipo, die sich den Hügel nach Posillipo in Kurven hochschlängelt. Auf der rechten Straßenseite dann ein kleines Schild über einem Türbogen und wir parken einige Meter weiter links an der Straße, von der man eine super schöne Aussicht hat, wie Ihr auf dem Bild sehen könnt.
Wir gönnen uns erstmal an der Theke einer Bar einen Capuccio und einen Cornetto bevor wir dann durch den Torbogen durchlaufen. Von da führen Treppen nach unten, die unter der Straße direkt ans Meer führen.
Hier kann man jetzt entscheiden, ob man an den privaten Strand will oder an dem privaten Bereich vorbei auf den öffentlichen Teil des Strandes. Ich aber brauche heute doch noch ein wenig Schatten, denn die Sonne knallt noch ganz schön, also bleiben wir hier und zahlen. Es ist immernoch wahnsinnig gut besucht, aber das stört mich überhaupt nicht, denn dieser Ausblick ist es trotzdem wert.                                              
Nachdem wir uns einen Platz ausgesucht haben, erzähle ich Ihm erstmal was so mit meinem Herrn passiert ist und er hat erstmal gar keine Worte für mich übrig. Dann fängt er an, Ihn zu rechtzufertigen, warum er wohl so reagiert haben könnte, doch während er diese Theorie ausspricht ändert er auf einmal seine Meinung, schaut mich an und sagt einfach nur, " vergiß was ich gesagt habe, ich weiß auch nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich mich in Dich verliebt hätte." Ich schaue Ihn an und bevor ich was sagen kann, führt er seinen Gedanken aus. "Er hat sich einfach in seiner Männlichkeit nicht stark genug für Dich gefüht", sagt er und er hätte da auch Probleme mit. 
"Du hast alles, was Du in Deinem Leben gemacht hast alleine geschafft, ohne finanzielle Hilfe von Deinen Eltern hast Du Dein Leben lang alleine für Dich gesorgt, bist von einer in die andere Stadt gezogen, hast ohne groß nachzudenken Deinen sicheren Job in Berlin aufgegeben um nach Turin zu gehen und dann nach der Trennung von Deiner langjährigen Beziehung bist Du ohne jemanden zu kennen und ohne Job einfach mal nach Neapel gezogen. Den Mut habe ich nicht," beteuert er mir und ich stehe da und weiß gar nicht was ich sagen soll. So habe ich das noch nie betrachtet. Klar, irgendwie kann das sicherlich Angst machen, erst Recht wenn man mich reden hört, denn schließlich versuche ich jetzt hier auch beruflich meinen Weg zu finden. Nach mehreren Vorstellungsgesprächen habe ich nicht nur feststellen müssen, daß die Bezahlung sehr schlecht ist, sondern einfach auch die Tatsache, daß ich nicht mehr Vollzeit irgendwo festhängen will. Die Vorstellung wieder in einem Laden zu stehen, verursacht mir regelrecht Magenkrämpfe und so habe ich mit Hilfe meiner englischen Freunde begriffen, was ich hier machen will und muß. Ich werde mein eigener Chef werden müssen, auch wenn es mir selbst noch ein wenig Angst bereitet, in einem Land, wo doch alles so anders läuft, in einer Sprache, die immer noch nicht richtig meine Muttersprache ist und dann auch noch wie überall ins Ungewisse zu gehen, denn Garantien, daß es funktioniert, gibts nicht.
Es stimmt schon, daß viele hier immernoch sehr abhängig von Ihren Eltern sind, und die, die gut verdienen, oft den elterlichen Betrieb übernommen haben, wo aber die Eltern immernoch Mitspracherecht haben. So auch der Herr.
Während ich, für den Fall, daß es nicht klappen sollte einfach meine Sachen packe und es woanders versuchen werde. Aber ich bin auch weder finanziell noch emotional verstrickt mit meiner Familie. Tja, ich werde mir wohl einen Ausländer suchen müssen, der hier leben will, sagt mir mein Busenfreund und ich lache erstmal bevor ich Ihn überrede mit ins Wasser zu gehen.
Wahrscheinlich hat er gar nicht so unrecht.

Der Tag vergeht so schnell und hier an dieser Meerseite verschwindet gegen fünf Uhr nachmittags die Sonne. Wir packen also unsere Sachen und mit der Idee noch ein wenig durch die Gegend zu fahren freunde ich mich gerne an und wir fahren hoch zum Parco Virgiliano.
In einem Supermarkt um die Ecke lassen wir uns jeder ein kleines Filoncino mit Mortadella belegen und ich nehme mir eine Flasche Cedrata von Tassoni aus dem Kühlschrank mit. Das ist eine sehr leckere Zitronenlimonade, ich kann ja nicht nur Aperol Spritz und Amaro trinken.

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