Mittwoch, 31. August 2016

die lange Nacht des Karnevals

 der Karnevalszug neigt sich dem Ende zu und wir beschließen, die Straße hoch zu laufen um nun vor der Haupttribüne uns den Rest des Spektakels anzusehen. Bevor wir überhaupt angekommen sind läuft er uns auch schon über den Weg. Wir begrüßen uns und ich stelle ihm alle meine Freunde vor. Nach nur wenigen Minuten verläßt er mich mit der Versprechung gleich zurückzukommen. Wir laufen zur nächsten Bar weiter um uns mit Drinks zu versorgen, wo ich auch schon auf weitere Freunde treffe. Mit steigendem Alkoholpegel löst sich unsere Gruppe ein wenig auf und verteilt sich über den Platz. Die einen flirten, die anderen tanzen und die ersten wollen auch schon nach Hause gehen. Derweil taucht der Herr wieder auf und diesmal lasse ich Ihn zurück um den einzigen Mann unserer Truppe und die Mama mit Baby nach Hause zu begleiten.
Zu Hause angekommen gibts auch schon die erste Schimpftirade meiner Mutter. Wer meine Mutter kennt, weiß wie das abläuft und weiß aber auch wie ich reagiere, nämlich mit Kopfschütteln und Ignorieren dieses Dramas. Ein Glück, daß ja auf dem Platz unten noch die anderen sind, die nicht wissen, wie Sie nach Hause kommen und ich so eine offizielle Ausrede habe wieder zu gehen. Unten angekommen, sind die zwei übrigen Mädels wild am tanzen und ich begebe mich auf die Suche nach dem Herrn, den ich dann auch finde und direkt zur Bar entführe. Nach einem Amaro und ein paar Gesprächsfetzen taucht ein weiterer Freund von mir auf, mit dem ich vor einigen Jahren mal eine Liaison hatte und der tatsächlich schon sturzbetrunken ist.
Nach dem Sommermärchen 2006, als Italien in Deutschland Fußballweltmeister wurde, verbrachte ich danach knapp sechs Wochen in Laurenzana und Umgebung. Im Dorf lernte ich über meinen anderen Cousin eine Gruppe von Jungs kennen, mit denen ich diesen Sommer hauptsächlich verbrachte, mitunter auch Ihn. Ihr wißt ja, italienische Männer sind altersmäßig schwerer einzuschätzen, denn durch die dunkle Haut, den Haaren usw. wirken Sie sofort viel älter. Er war damals knapp achtzehn Jahre jung und ich schon über dreißig. Oh je, auch davon werde ich noch erzählen, aber nun erstmal zurück zur Gegenwart.
Er zerrt an mir und will mich dort weglotsen, denn immer wenn er betrunken ist, wird er wahnsinnig anhängig. Treffen wir uns tagsüber im Dorf wahrt er einen gewissen Abstand, daß uns ja keiner zusammen in einer nur annähernd verräterischen Haltung sieht, denn die Leute quatschen und sogar die jungen Leute halten sich irgendwie an diese bescheuerten Regeln, was mich persönlich total aufregt, auch wenn ich versuche dies Ihnen zu Liebe zu akzeptieren. Mein Angebeteter ist mal wieder verschwunden und stattdessen begegne ich meinem Cousin und Cousine, die Kinder meiner Lieblingstante. Meine Cousine hat Ihre Tochter dabei, die ich noch nie vorher kennengelernt habe und so reden wir ein wenig und ich freue mich wirklich sehr Sie zu sehen, ist das doch schon über zehn Jahre her. Wie gesagt, seitdem sich unsere Eltern verworfen haben ist das eine schwierige Sache geworden sich zu hören, geschweige denn sich zu treffen, auch weil Sie alle in ganz Italien verstreut wohnen.
Ich begebe mich wieder auf die Suche nach meinem Herrn und finde Ihn an einem Stand für einen wohltätigen Zweck, Er stellt mich kurz seinen Freunden vor, ich aber ziehe Ihn einfach weg auf den Platz zu den Mädels, die immernoch tanzen. Sich unterhalten kann man dort nicht und Durst haben wir auch, also gehts nochmal an die Theke und von da aus an den Brunnen. Wir setzen uns an den Rand des Brunnens und drehen dem Publikum den Rücken zu. Ich hab mich über Dich informiert, höre ich Ihn sagen, und denk mir nur oh je. Doch bevor ich was erfahre küßt er mich einfach, am Brunnen, am Platz nicht weit von der Tribüne, wo alle uns sehen. Das imponiert mir sehr ! Endlich mal jemand im Ort, der nicht über das Geschwätz der Leute nachdenkt. Wir bleiben da nicht ungestört und erst kommt nochmal mein betrunkener Freund und dann meine Mädels, die jetzt gern heim möchten.
Mein Herr fackelt nicht lange und bietet uns an nach Hause zu fahren. Obwohl es zu Fuß viel schneller wäre, sage ich zu, denn natürlich habe ich sofort verstanden, daß er nur die Mädels abladen will und mit mir was anderes vorhat, also gehen wir zu seinem Auto, und am Wegesrand reißt er eine Blume ab und überreicht sie mir. Bei meiner Mutter angekommen, parkt er sein Auto ein paar Meter weiter und wir laufen die letzten zwanzig Meter. 
Das zweite mal in dieser Nacht zu Hause angekommen gehts direkt weiter mit der nächsten Schimpftirade und die Schlagfertigste in unserer Runde reagiert prompt, und sagt meiner Mutter warum ich wieder weg muß. Na klar, ich hab an der Theke der Bar auf der Piazza mein Handy zum Aufladen abgegeben und nun vergessen. Besseres wäre mir niemals eingefallen und so bedanke ich mich heimlich bei Ihr und laufe zurück zu meinem Herrn, der mich zum Sterne anschauen einlädt und mich entführt.
Ganz nebenbei lerne ich noch einen neuen Feldweg kennen.

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