Wir zwei mochten uns auf Anhieb und so kam es, dass immer wenn er in der Nähe oder im selben Palazzo arbeitet er kurz auf einen Kaffee vorbeikommt um mit mir über Gott und die Welt zu schnattern und das in fließendem neapolitanisch, einfach nur herrlich. Mittlerweile wissen wir einiges übereinander, auch, daß er mit einer Landsfrau zusammen ist und eine kleine Tochter hat. Sie sind nicht verheiratet und das bringt leider das Problem mit sich, daß seine Frau illegal hier lebt. Eine Tatsache, die auf viele hier zutrifft, doch auch das leider normal in Neapel. Er schätzt an mir, daß ich so komplett anders bin als viele Frauen und versteht deshalb nicht, warum ich immernoch solo bin. Tja, und daß ich wirklich soviel anders bin, liegt wohl daran, das ich ein Kind italienischer Einwanderer aus der ärmsten Region Italiens und in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Als ich drei Jahre alt war zogen wir zwar wieder zurück nach Laurenzana, weil meine Mama so heimweh hatte, doch das große Erdbeben 1980 verschaffte mir unvorhergesehen die Möglichkeit wieder zurück nach Siegen zu kommen. Ok, Siegen war nicht die beste Wahl, aber dort hatte ich doch mehr Möglichkeiten als meine Cousinen in Laurenzana.
Nachdem ich uns den obligatorischen Kaffee gemacht habe, und das Problem mit dem Abfluß gelöst ist, fragt er mich was ich so treibe und so erzähle ich Ihm, dass wir dieses Wochenende nach Laurenzana zu meiner Mutter fahren.
Sobald ich Laurenzana nur höre und ausspreche fange ich an zu schmunzeln.
Dieses Dorf weckt in mir einige Erinnerungen und es kommen bei fast jedem Besuch neue dazu.
Wir heißt, die Gruppe von vorletztem Abend und noch eine weitere Freundin von mir, die zudem auch die Mutter meines Neffen ist. Dies auch der Grund warum wir nach Laurenzana fahren. Meine Mutter kennt Ihren Enkel noch nicht und so wird Sie Ihren drei Monate alten Enkel kennenlernen und wir nebenbei ganz viel Spaß haben. Dieses Dorf müßt Ihr wissen, ist halb ausgestorben, jedoch gibt es eine Gruppe von jungen Leuten von Mitte Zwanzig bis Mitte Dreißig, die sich auf die Fahne geschrieben haben, das Dorf wiederzubeleben und so finden in den Sommermonaten nicht nur die üblichen Feste statt, wo ein Heiliger mit einer Prozession und einem Konzert geehrt wird, sondern auch andere, wie z.B. einem Karnevalsumzug, der an diesem Samstag stattfinden wird und wir schon letztes Jahr das Vergnügen hatten dabei zu sein. Bei dem letztjährigen war auch mein Bruder dabei. Er besuchte mich letzten Sommer mit einem gemeinsamen Freund aus Siegen und so kam es, daß er meine Freundin kennen- und liebenlernte. Sie sind kein Paar mehr aber der Kleine Bub erinnert uns täglich an diesen super Sommer.
Also werden wir morgen nicht nur zu meiner Mutter fahren und Ihr eine Freude bereiten sondern auch dem ganzen Dorf.
In diesem Dorf kennen sich ausnahmslos alle und somit kennen auch alle mich. Na ja, also Sie wissen, daß ich die Deutsche bin und hier Familie habe.
Was Sie sonst noch wissen ist fraglich, aber ab und an kommen dann aus dem Nichts die Gerüchte über mich ans Licht, wovon ich dann bald mal erzählen werde.
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