Freitag, 23. Dezember 2016

Shooting

  es ist soweit... die Jungs aus London sind da und es soll geknipst werden. Der Fotograf hat schon vor zwei Wochen einen Aufruf gestartet. Gesucht werden typische neapolitanische Gesichter, die zusammen mit professionellen Models für ein amerikanisches Magazin abgelichtet werden sollen. Heut morgen bittet er mich dennoch weiterhin Ausschau zu halten und so laufe ich nochmals die Küste entlang um zu sehen ob mir jemand auffällt. 
Die Seeleute kommen eigentlich nicht in Frage, was man aber nie wissen kann und so frage ich freundllich ob ich ein Foto machen kann.
Als ich am Treffpunkt Rotonda Diaz ankomme sichere ich uns schonmal einen Teil Strand ab, wo wir uns aufbauen werden, da kommt auch schon der erste Teil der Crew. "Haare und Make Up" ist anwesend, es fehlt natürlich noch unser Fotograf samt seinen Assistenten, die Stylisten und die Models, die wohl noch irgendwo frühstücken. Verrückt wie wuselig und scheinbar unorganisiert alles wirkt, als der Rest eintrudelt aber wird kurz abgesprochen was sich der Fotograf vorstellt und schon gehts los.
Die Sonne knallt dermaßen heftig, daß ich mal kurz losgehe um Sonnenmilch zu holen, denn die Crew ist ganz schön käsig und es soll sich keiner verbrennen. Für Getränke und Obst ist gesorgt, sogar der Tisch zu Mittag ist organisiert, wir wollen an den Hafen um mit den Seemännern gemeinsam zu essen. Es ist noch nicht mal elf Uhr, da werden auch schon Drinks geliefert, die ich nicht bestellt habe. Negronis ! Oh je, dass wird heut noch lustig, das heißt für mich, daß ich noch achtsamer sein muß, nicht nur muß ich schauen, daß hier keiner was klaut, sondern jetzt werd ich tatsächlich zur "Mutter Teresa" und da ich ja meine Pappenheimer kenne, nehme ich denen mal vorsichtshalber alle Wertsachen und Hotelschlüssel ab. Ich liebe diesen Ausdruck Pappenheimer, kennt Ihr den ? Ich hab da bei ARTE eine super Beschreibung gefunden: 

http://sites.arte.tv/karambolage/de/der-ausdruck-die-pappenheimer-karambolage


Leider konnte ich nicht verhindern, daß sich wenige doch verbrannt haben, trotz Lichtschutzfaktor 50. Wenigstens halfen die Negronis dabei, die Hitze auf der Haut nicht zu fühlen, wie mir die Jungs mit breitem Grinsen berichten. Ich bin mir da nicht so sicher...
Am Mittagstisch gibts immerhin nur Weißwein, was bei den Jungs aber dazu beiträgt noch unruhiger zu werden. Das wir das Shooting so gut überleben, muß wohl an deren Übung liegen. Die Engländer sind ja schließlich dafür bekannt.
Als wir fertig sind und wirklich alles eingepackt ist bleiben die Jungs und ich zurück, denn wir baden jetzt erstmal eine Runde und gönnen uns diese Abkühlung.




Entspannt laufen wir den Kilometer gemütlich zurück und überlegen was wir heut Abend noch anstellen wollen. Ein wenig Nightlife muss sein, wird beschlossen, also verabreden wir uns für später bei mir zu Hause um von dort aus zusammen loszulaufen.
Eine Stunde für mich allein, jetzt verstehe ich annähernd wie sich Mütter von mehreren Kindern fühlen müssen.

Ich nutze die wenige Zeit um schnell Handy und Fotoapparat aufzuladen, da klingelts auch schon an der Tür. Die Jungs haben schon wieder Negronis dabei, natürlich auch für mich. Was solls, ich trinke einfach mit, was bleibt mir sonst auch anderes übrig. Da wir aber auch Hunger haben entscheide ich für uns alle eine Pizza essen zu gehen und wo könnte man das besser als direkt bei mir um die Ecke. Diese ist direkt in meinem Viertel, heißt Pizzeria Pavia und die Pizza ist dort sagenhaft lecker.
Zusätzlich bekommt man dort auch immer eine super Show geboten, denn wie schon gesagt, befindet sich diese in meinem Bezirk, im berühmten "Pallonetto di Santa Lucia", in der die Einheimischen stolze und einfache Menschen sind. Die Pizzeria befindet sich in einem "Basso", das ist meistens eine sehr kleine Wohnung im Erdgeschoß oder halb unterkellert. Diese Wohnungen haben oft nur die Eingangstür und ein kleines Fenster neben der Türe, die als Licht- und Luftquelle dienen, mit ein Grund warum die Bewohner dann bei schönem Wetter vor Ihrer Wohnung auf der Straße sitzen. Oft wohnen dort natürlich sozialschwache Familien, die dann im Napolistyle auch dementsprechend aussehen und auch sonst sehr auffällig sind. 
Ich liege nicht falsch mit meinem Gedanken, daß es den Jungs dort gefällt. Nicht nur die Pizza schmeckt Ihnen sehr gut, besonders der Trubel kommt gut an. Es wird laut gequatscht, der Pizzabäcker brüllt mal hier und dort, Kinder kommen rein und laufen kreischend wieder raus, dann natürlich der besondere modische Look der Leute hier, unser Fotograf ist völlig aus dem Häuschen und weiß nicht womit er zuerst fotografieren soll, zu gern will er ja auch alles sofort auf Instagram teilen...

Nach einigen Drinks und viel Gelächter mit den Angestellten und den Gästen laufen wir ganz schön angetrunken in Richtung Altstadt, schaffen es aber nur bis "Piazza Trieste e Trento" um noch was süßes zu essen und noch einen Negroni zu trinken, schließlich ist es mal wieder ganz schön spät geworden und in wenigen Stunden muß ich Sie auch schon wieder wecken.
Mutter Teresa begleitet die Jungs noch bis ins Hotel um dann selbst nach Hause zu kommen, bis mir klar wird, daß ich ja in drei Stunden schon wieder aufstehen muß. 
Ich ahne schon, daß ich nach dieser Woche ganz viel Schlaf und erstmal keinen Alkohol mehr brauche und beeile mich schnell in mein Bett zu kommen.









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